Europaïsches Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung
Seit 1983 initiiert Europa in jedem Jahr eine große Sensibilisierungsaktion unter dem Namen “Europäisches Jahr”, das die europäischen Bürger informieren und den Dialog mit ihnen knüpfen soll, auch um die Mentalitäten und Verhaltensweisen weiter zu entwickeln. Diese Jahre sind überdies Gelegenheiten dafür, die Aufmerksamkeit der nationalen Regierungen neue gesellschaftliche Themen zu lenken. So geschehen im Jahr 2008 für den multikulturellen Dialog, 2007 für die Chancengleichheit und 2006 für die Mobilität der Arbeitnehmer.
Der Kampf gegen Armut und soziale Ausgrenzung gehört zu den wichtigsten Zielen der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten. Als im März 2000 die Lissabon-Strategie gestartet wurde, haben sich die Staats- und Regierungschefs verpflichtet, die Beseitigung der Armut bis 2010 “entscheidend voranzubringen”. Trotz der unternommenen Anstrengungen, lebt ein bedeutender Teil der europäischen Bevölkerung auch heute noch in Not und hat keinen Zugang zu Grunddienstleistungen wie der Gesundheitsfürsorge. 79 Millionen Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze (einer Schwelle, die bei 60 % des Durchschnittseinkommens des Landes angesetzt wird, in dem sie leben). Dies sind 16 % der europäischen Bevölkerung.
Diese Situation steht im Widerspruch zu den der Europäischen Union gemeinsamen Werten der Solidarität und sozialen Gerechtigkeit.
Armut und Ausgrenzung beeinträchtigen nicht nur das Wohlergehen dieser Menschen und ihrer Fähigkeit zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Schaden nimmt auch die wirtschaftliche Entwicklung. Die Union will ein weiteres Mal die Bedeutung der kollektiven Verantwortung im Kampf gegen die Armut hervorheben, was nicht nur Entscheidungsträger sondern alle Beteiligten aus dem öffentlichen und privaten Bereich in die Pflicht nimmt. Das Europäische Jahr soll vor Allem diejenigen zu Wort kommen lassen, die Armut und Ausgrenzung am eigenen Leib erfahren.
Vier Ziele stehen im Mittelpunkt dieses Europäischen Jahres:
- Anerkennung : Die Anerkennung des Grundrechts der in Armut und sozialer Ausgrenzung lebenden Menschen auf ein Leben in Würde und die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben;
- Gemeinsame Verantwortung und Teilnahme : Die Stärkung der Akzeptanz der Politik der sozialen Eingliederung durch die Menschen durch die Hervorhebung der gemeinschaftlichen und individuellen Verantwortung im Kampf gegen Armut und soziale Ausgrenzung und die Förderung des Engagements aller öffentlichen und privaten Akteure;
- Kohäsion : Die Förderung eines stärkeren Zusammenhalts in der Gesellschaft und der Überzeugung Aller, dass die Vorteile eines Lebens in einer Gesellschaft ohne Armut unbestreitbar sind;
- Engagement und konkretes Handeln : Eine Erneuerung des Engagements der EU und ihrer Mitgliedsstaaten für den Kampf gegen Armut und soziale Ausgrenzung und die Einbindung aller Entscheidungsebenen.
In allen EU-Mitgliedsländern finden landesweite und örtliche Veranstaltungen und Aktivitäten statt, darunter Kampagnen zur Bewusstseinsförderung, Workshops und Informationsseminare in Schulen. Eigens produzierte Filme, Zeitschriften und andere Materialien sollen Betroffene über ihre Rechte und Möglichkeiten informieren und den Bürgern vor Augen führen, wie sich Armut und Ausgrenzung auf ihre Sozialgemeinschaften auswirken.
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